Pädagogisches Konzept
Unterrichtsgestaltung nach Dalton
Freiheit und Verantwortung
Die Unterrichtsgestaltung nach Dalton bildet den Kern des pädagogischen Konzepts unseres Gymnasiums. Im Mittelpunkt stehen die Selbstständigkeit der Schülerinnen und Schüler, die Übernahme von Verantwortung für den eigenen Lernprozess und die individuelle Gestaltung von Lernwegen.
Dabei verstehen wir Dalton nicht als reine Freiarbeit, sondern als ein pädagogisches Konzept, das Freiheit und Verantwortung miteinander verbindet: Die Schülerinnen und Schüler erhalten zunehmend die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, wann, wo und mit welcher Unterstützung sie an ihren Aufgaben arbeiten.
Lernen in der Daltonzeit
Ein wesentlicher Teil der wöchentlichen Unterrichtszeit findet in fest im Stundenplan verankerten Daltonzeiten statt. In diesen bearbeiten die Schülerinnen und Schüler die von den Fachlehrkräften gestellten Daltonaufträge selbstständig und in ihrem individuellen Arbeitstempo. Rund ein Drittel der Unterrichtszeit wird hierfür entsprechend unseres Daltonkonzeptes gestaltet.
Die Schülerinnen und Schüler entscheiden innerhalb des vorgegebenen Rahmens selbst, welchen Aufgaben sie sich zuwenden und bei welcher Lehrkraft beziehungsweise in welchem zur Verfügung stehenden Raum sie arbeiten möchten. Dadurch können sie gezielt fachliche Unterstützung suchen, gemeinsam mit anderen lernen oder konzentriert an eigenen Aufgaben arbeiten.
Die Daltonzeit schafft zugleich besondere Möglichkeiten zur individuellen Förderung und Differenzierung. Unterschiedliche Aufgabenformate sowie Wahl- und Vertiefungsmöglichkeiten erlauben es, verschiedene Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen. Lehrkräfte übernehmen dabei verstärkt die Rolle von Lernbegleitern: Sie unterstützen bei fachlichen Fragen, geben Rückmeldungen zu Lernwegen und helfen den Schülerinnen und Schülern dabei, zunehmend Verantwortung für ihr Lernen zu übernehmen.
Gleichzeitig eröffnet die Daltonzeit Raum für interessengeleitetes Lernen und perspektivisch weitere Angebote zur Begabungs- und Interessenförderung. Ergänzend zum Unterricht bestehen bereits Arbeitsgemeinschaften, beispielsweise im Bereich Robotik.
Das Dalton-Logbuch als Lernbegleiter
Eine besondere Bedeutung für die Organisation des selbstständigen Lernens hat unser eigens entwickeltes Dalton-Logbuch. Es begleitet die Schülerinnen und Schüler durch das gesamte Schuljahr und unterstützt sie dabei, ihre Daltonaufgaben zu überblicken und ihre Arbeit Woche für Woche sinnvoll zu strukturieren.
Neben der Planung und Dokumentation der Daltonarbeit enthält es alle wichtigen Informationen rund um das Lernen nach Dalton sowie den persönlichen Stundenplan und eine Übersicht zur Dokumentation der eigenen Leistungen. Das Logbuch ist damit weit mehr als ein klassisches Hausaufgabenheft: Es ist persönlicher Lernbegleiter, Planungsinstrument und Orientierungshilfe zugleich.
Ein besonderer Bestandteil des Logbuches sind die Reflexionsbögen am Ende jedes Pensums. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich dabei bewusst mit ihrem eigenen Arbeits- und Lernprozess auseinander: Wie gut ist mir die Planung meiner Daltonzeit gelungen? Was konnte ich erfolgreich bearbeiten? Wo benötige ich noch Unterstützung und welche Ziele möchte ich mir für das weitere Lernen setzen?
Diese regelmäßige Selbstreflexion bildet zugleich eine wichtige Grundlage für die persönliche Begleitung durch einen Mentor.
Individuelle Begleitung im Mentorensystem
Ergänzt wird die selbstständige Arbeit durch unser Mentorensystem. Jeder Schülerin und jedem Schüler steht eine Lehrkraft als persönliche Ansprechperson für den eigenen Lern- und Entwicklungsprozess zur Seite.
Innerhalb beziehungsweise im Anschluss an jedes Pensum findet ein Mentorengespräch statt, bei dem die Reflexion des zurückliegenden Lernabschnittes und die weitere Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Eine wesentliche Grundlage hierfür bilden die zuvor im Dalton-Logbuch ausgefüllten Reflexionsbögen.
Gemeinsam wird darauf geschaut, was bereits gut gelingt, wo Schwierigkeiten bestehen und welche nächsten Schritte sinnvoll sind. Dabei geht es ausdrücklich nicht nur um fachliche Leistungen und Noten, sondern ebenso um Arbeitsorganisation, Selbstständigkeit, Motivation, Zeitmanagement und die persönliche Entwicklung.
Das Mentorensystem schafft damit einen verlässlichen Rahmen für individuelle Rückmeldung und unterstützt die Schülerinnen und Schüler dabei, ihr eigenes Lernen zunehmend bewusst wahrzunehmen, zu reflektieren und zu steuern.
Selbstständiges Lernen muss gelernt werden
Insbesondere in den jüngeren Jahrgangsstufen nimmt deshalb das Methodenlernen einen hohen Stellenwert ein. Die Schülerinnen und Schüler lernen unterschiedliche Arbeits- und Lernstrategien kennen, üben die Planung längerer Arbeitsprozesse, den sinnvollen Umgang mit ihrer Lernzeit und die Einschätzung des eigenen Arbeitsfortschritts.
Diese Kompetenzen werden im weiteren Verlauf der Schulzeit kontinuierlich aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Freiheiten des Daltonunterrichts wachsen damit gemeinsam mit den Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler, diese verantwortungsvoll zu nutzen.
Gemeinsam lernen
Dalton bedeutet für uns zugleich gemeinsames Lernen. Da die Daltonzeiten klassen- und jahrgangsübergreifend organisiert sind, entstehen neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Schülerinnen und Schüler können sich gegenseitig unterstützen, gemeinsam an Aufgaben arbeiten und voneinander lernen.
Gleichzeitig arbeiten auch die Lehrkräfte eng zusammen: Daltonaufträge und Lernprozesse werden abgestimmt, Erfahrungen ausgetauscht und die Weiterentwicklung des Konzeptes gemeinsam gestaltet.
Struktur schafft Freiheit
Unser Daltonkonzept und die Rhythmisierung des Schulalltages sind bewusst miteinander verbunden. Selbstständiges Lernen benötigt Freiheit – diese kann jedoch nur dann gewinnbringend genutzt werden, wenn sie in verlässliche Strukturen eingebettet ist.
Die klare Rhythmisierung des Schultages und der Schulwoche, feste Daltonzeiten, überschaubare Pensen, das Dalton-Logbuch sowie regelmäßige Reflexions- und Mentorengespräche bilden gemeinsam den Rahmen, innerhalb dessen unsere Schülerinnen und Schüler zunehmend Verantwortung für ihr eigenes Lernen übernehmen können.
Struktur und Freiheit verstehen wir dabei nicht als Gegensätze, sondern als sich ergänzende Voraussetzungen erfolgreichen Lernens: Unsere Schule schafft einen verlässlichen Rahmen, innerhalb dessen die Schülerinnen und Schüler schrittweise lernen, Entscheidungen zu treffen, ihren Lernprozess zu organisieren und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen - um dies zu tun, schenken wir unseren Schülerinnen und Schülern das dafür nötige Vertrauen.
Selbstständigkeit wird bei uns nicht vorausgesetzt – sie wird systematisch entwickelt.